Prof. Seitz leitet das Videojahr ein

23. Februar 2018 - Alle Kategorien, Lernvideos

Autor: Chris Hollweg

Video ist für viele das Lernmedium der Gegenwart und Zukunft. Die unglaublichen Mengen an Erklärvideos auf YouTube und LinkedIn scheinen das zu belegen. Natürlich nutze auch ich gerne solche Angebote zu den verschiedensten Themen, manchmal auch Angebote der Kategorie Selbst-im-Wohnzimmer-gedreht. Aber ein gutes Lernvideo zu erstellen ist mehr als nur das Smartphone auf den Selfie-Stick zu klemmen und loszulegen. Ohne Suchfunktion, ohne mehrere alternative Filme zu einem Thema auswählen zu können und vor allem ohne Vorspulmöglichkeit wäre ich längst nicht so begeistert über das Online-Lernangebot. Wenn Du unter die Produzenten von Lernvideos gehen willst, dann wird Dir Folgendes gefallen: Nachdem wir Dir 2017 einige hoffentlich hilfreiche Beiträge und Checklisten zu Webinaren zur Verfügung gestellt haben, liegt unser Schwerpunkt des Jahres 2018 beim Thema Lernvideoproduktion. 

Qualitätsmerkmale von Lernvideos

Ein gutes Lernvideo hat drei Qualitätskomponenten: das vermittelte Knowhow, die didaktische und die Produktionsqualität. Dafür dass es auch mal ohne letztere und mit eher wenig didaktischem Geschick geht, liefert YouTube viele Beweise. Aber die Akzeptanz der Nutzer hierfür sinkt mit der Not ein bestimmtes Knowhow zu erwerben. Ja, ich weiß – viele finden die holprig im Keller gedrehten Tutorials erfrischend. Ich auch. Aber zu viel Erfrischung ergibt gelegentlich einen kalten Schauer. Und es muss ja nicht zwangsläufig so sein. Die Produktion von Erklärvideos mit ansprechender Qualität ist kein Hexenwerk. Doch was macht die Qualität aus? Manchmal scheint ein mit einfachsten Mitteln gemachter Film die richtige Wahl zu sein und manchmal kommt für uns ein nur eine professionelle Umsetzung in Frage. Wie haben uns jemanden gesucht, der uns diese Frage beantworten kann. Prof. Dr. Seitz fiel uns bei einer Veranstaltung auf, die folgenden ansprechenden Titel hatte (Natürlich ist der Titel ansprechend. Marketing gehört auch zu seinen Fachgebieten):

Videoproduktion für eLearning – was wir von der Film- und Medienbranche lernen können

Prof. Dr. Jürgen Seitz, Hochschule der Medien in Stuttgart.
Prof. Seitz lehrt Marketing, Medien und Digitale Wirtschaft an der Fakultät Electronic Media. Zu seinen Forschungsgebieten gehören neben diese drei Bereichen Product Development und Entrepreneurial Marketing.

Wir luden Prof. Seitz zu unserer Sitzung Ende Februar ein. Selbstverständlich konnte er uns auch die Frage nach der richtigen Qualität beantworten. Es kommt darauf an, in welcher Situation man sich als Lernwilliger befindet. In der so genannten Lean-Forward-Situation, wenn wir aktiv nach Inhalten suchen oder aktiv kommunizieren, bevorzugen wir authentische, nahe, persönliche Erklärungen und Erfahrungsberichte. Wir suchen nach schneller Befriedigung unserer Bedürfnisse. Hohe Produktionsqualität spielt in dieser Situation keine Rolle. Diese erwarten wir dagegen in der Lean-Back-Situation, wenn wir uns zurücklehnen und Lernen „konsumieren“ wollen. Anders ausgedrückt ist das die Situation, in der unser Leidensdruck etwas zu Lernen am geringsten ist.

Prof. Seitz konzentrierte seine Ausführungen in unserer Sitzung auf die Lean-Back-Situation. Hierfür kann man in der Tat von der Film- und Medienbranche lernen. Zum Beispiel, dass eine gute Story das Wichtigste ist. Gute Stories haben einen Helden, der vernünftig eingeführt wird, mit dem man zusammen Meilensteine der Geschichte erlebt und der auch in Konfliktsituationen gerät. Würdest Du Frodo neun Stunden dabei zusehen wollen, wie er ohne Probleme einen Ring nach Mordor transportiert? Ich nicht. Bei Lernvideos gibt es viele Möglichkeiten eine Story voranzutreiben: Schauspielszenen (idealerweise mit professionellen Schauspielern oder Moderatoren), User Stories, Beispielfälle, Experteninterviews - und das alles auch gerne im Wechsel.

Ich bin nicht Alfred Hitchcock. Und Du?

Bevor er zu einem der einflussreichsten Regisseure der Welt wurde, hatte Alfred Hitchcock die allermeisten Berufe rund um die Filmproduktion selbst ausgeübt, inklusive Plakatmaler und Drehbuchautor. Sehr zum Leidwesen seiner späteren Filmcrews war er in all diesen Bereichen sehr gut (und wusste das auch). Bei mir und vielen anderen ist das nicht so. Wenn Du willst, dass die Produktionsqualität Deiner Lernvideos stimmt, dann solltest Du dafür sorgen, dass nicht nur mit einem Drehbuch gearbeitet wird, sondern dass Buch, Kamera, Schnitt und Ton in fachkundigen Händen liegen. In den meisten Fällen heißt das, dass mehrere Personen im Spiel sind. Das klingt aufwändig und ist es auch. Aber nur so erreichst Du professionelle Qualität. Und die ist manchmal erforderlich. Siehe oben. 

Was wir von YouTube lernen können

Ich hab mich einleitend etwas flapsig über YouTube-Videos geäußert. Das war natürlich nicht ganz ernst gemeint. Ich bin froh, dass so viele Menschen, die etwas gut können, dieses Knowhow kostenlos mit uns teilen. Und man kann neben den Inhalten, die sie zur Verfügung stellen, noch etwas von ihnen lernen: Man sollte keine Angst vor der Videoproduktion haben, sondern einfach loslegen und Erfahrungen sammeln.

Wir wollen Dich in diesem Jahr nach und nach mit Veröffentlichungen und Hilfsmitteln bei Deinen Lernvideo-Vorhaben unterstützen. Das war nur die Einleitung. Stay tuned!

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2 Kommentare

09. März 2018 Chris Hollweg

Sehr gerne! Es freut mich das zu hören. Wir geben uns Mühe, im Lauf der nächsten Monate weitere praktische Hilfen zur Lernvideoproduktion bereit zu stellen.

Viele Grüße

Chris Hollweg

06. März 2018 Lutz Braun

Guten Tag,

 

Danke für die nützlichen Hinweise, ich werde sie künftig nutzen

 

Viele Grüße

Lutz Braun