6 Tipps für die Moderation Deines Lernvideos

27. September 2019 - Alle Kategorien, Content, Lernvideos

Lernvideomoderation

Autoren:
Wolfgang Roth, BWV Bildungsverband
Expertenteam-LuB-Mitglied Margit Swetlik, Stuttgarter Lebensversicherung a.G.

Wolfgang: Workshops zu moderieren ist für Margit und mich nichts Ungewöhnliches. Das haben wir beide schon oft gemacht. Als Moderator für unseren kurzen Film „Lernvideos – Die Drehvorbereitung“ vor der Kamera zu stehen, war für mich eine ganz neue Erfahrung.

Margit: Ich bin es von vielen Webinaren gewöhnt, nicht direkt zum Publikum zu sprechen, aber trotzdem ging es mir ähnlich. Auch bei kurzen Filmen ist die Produktion aufwändig, vor allem in der Vor- und Nachbereitung. Obwohl man für das Publikum die Hauptperson ist, findet im Vergleich zu anderen Moderationssituationen ein Rollenwechsel statt. Die Moderatorin ist dabei nur das Sprachrohr der Teamarbeit.

Wolfgang: Moderatoren haben dabei die Verantwortung, die Arbeit des Teams möglichst gut zu verkaufen. Damit Dir das bei der Moderation Deiner Lernfilme leichter fällt, haben wir die Erfahrungen unseres Drehtags in 6 Tipps gepackt.

TIPP 1: Verlasse Dich auf Deine Mannschaft

„War das so O.K.?“ (Wolfgang am Drehtag 10:23 Uhr, Margit, 10:50 Uhr und beide noch einige Male mehr)

Wolfgang: Da Du das Aushängeschild ihrer Arbeit bist, werden der Regisseur und das Team sehr viel Mühe darauf verwenden, Dich in Szene zu setzen. Sie achten nicht nur auf Versprecher, sondern auch auf Deine Körperhaltung, Deine Frisur, den Lichteinfall und unerwünschtes Glänzen Deiner Haut. Du musst Dich auf nichts anderes konzentrieren als auf das, was Du vermitteln sollst. Leg den Fokus dabei auch nicht auf die Worte, sondern auf den Inhalt. Man wird es später merken,  wenn Du gedanklich nicht beim Thema bist.

TIPP 2: Überzeuge den Regisseur

„Das Publikum ist heute schwierig“ (Der Regisseur am Drehtag, 11:20 Uhr, nachdem die beiden Moderatoren eine gemeinsame Szene selbstkritisch kommentierten)

Margit: Die Moderation einer Live-Veranstaltung bedeutet nie genau zu wissen, was passiert.  Bei der Moderation eines Lernvideos ist dagegen alles vorgegeben, auch der Text. Das Team weiß schon was Du sagen wirst und schaut  Dich konzentriert an. Die Mitglieder der Crew achten in erster Line auf die Umsetzung. Du kannst sie nicht für den Inhalt begeistern oder an ihrer Mimik ablesen, ob Du jetzt besser eine andere Richtung einschlagen solltest. Du könntest ja nicht einmal eine andere Richtung einschlagen. Dafür gibt es keinen Spielraum. Und nach der Szene wartet ein sehr kritisches Publikum auf Dich – Du selbst. In der Regel findet man Negativpunkte an der eigenen Moderation, die ein Live-Publikum sicher nicht bemängeln würde. Konzentriere Dich ausschließlich darauf, den Regisseur mit Deinem Auftritt zu überzeugen und seine Anmerkungen umzusetzen. Er hat den besten Blick auf alle Details und das Zusammenwirken – besser als Du selbst.

TIPP 3: Studiere das gesamte Drehbuch und blicke über den Tellerrand

„Was war in der letzten Szene nochmal?“ (Wolfgang am Drehtag, 11:53 Uhr)

Wolfgang: Sehr oft werden Filmszenen nicht in chronologischer Abfolge gedreht, sondern nach Schauplätzen, Requisiten oder Kostümen zusammengefasst. Das war beim Dreh zu „Lernvideos – Die Drehvorbereitung“ auch so. Man macht das, um den organisatorischen Aufwand zu reduzieren. Auf der anderen Seite fällt es dadurch den Darstellern schwerer, sich in die aktuelle Szene hineinzuversetzen und daran anzuschließen, was der Betrachter zuvor gesehen und gelernt hat. Bereite Dich nicht nur auf Deine eigenen Szenen vor, sondern beschäftige Dich mit dem gesamten Drehbuch. Erfasse die gesamte Story und das Ziel des Lernvideos. Es schadet auch nicht, sich darüber hinaus mit den zu vermittelnden Lerninhalten zu beschäftigen, falls Du nicht damit vertraut bist. So wirst Du auf jeden Fall überzeugen.

TIPP 4: Benutze Moderationskarten

„Was soll ich mit meinen Händen machen?“ (Margit am Drehtag, 12:20 Uhr, Szene auf der Treppe)

Margit: Viele Moderatoren haben ein Mikrofon oder kleine Kärtchen in der Hand, auf denen der Zuschauer Stichpunkte der Moderation vermutet. Tatsächlich brauchen sie beides nicht. Denn es gibt bereits preisgünstige Ansteckmikrofone und im Profibereich den „Galgen“, der das Mikrofon über dem Kopf der Moderatorin außerhalb des Bildbereichs hält. Die Texte bis zum nächsten Schnitt sind meistens kurz oder werden auf einem Teleprompter eingeblendet. Auch hierfür gibt’s  günstige Einstiegslösungen, zum Beispiel Apps für Tablets und Tablet-Halterungen für Kamerastative. Unerfahrenen Moderatoren fällt es oft schwer, die Hände unter Kontrolle zu halten. Da sind ein Handmikrofon oder Moderationskarten eine gute und unauffällige Hilfe.

TIPP 5: Nimm Dir Zeit

„Jetzt habe ich mich selbst überholt.“ (Wolfgang am Drehtag, 12:42 Uhr, nach einem Versprecher)

Wolfgang: Charlie Chaplin hat oft ohne Drehbuch gearbeitet und seiner Kreativität freien Lauf gelassen. Das war aus wirtschaftlicher Sicht nicht immer die beste Entscheidung. Vielleicht sind auch deshalb so wenige seinem Beispiel gefolgt. Drehzeit ist kostbar und oft auch teuer. Darum wird ein Drehtag intensiv vorbereitet und, wie ich schon erwähnt habe, sogar das Drehbuch entsprechend sortiert. Aber all die Eile und das gelegentliche Chaos beim Dreh sollte Dich nicht dazu verleiten, schneller zu sprechen. Als unerfahrener Moderator neigt man dazu. Aber erstens spart eine verpatzte Szene keine Zeit und zweitens wirkt schnelles Sprechen eher unsicher. Deine Aufgabe ist es, die  Zuschauer bei der Hand zu nehmen. Dafür solltest Du nicht nur sympathisch und vertrauenswürdig rüberkommen, sondern auch entspannt und souverän. Sprich bewusst langsam und baue gelegentliche Sprechpausen ein.

TIPP 6: Bemüh Dich um eine offene Körperhaltung

„Ton ab, Kamera ab, schön lächeln und… bitte.“ (Der Regisseur am Drehtag, vor nahezu jedem Take)

Margit: Über körpersprachliche Signale könnten wir uns sehr lange unterhalten. Sie sind nicht so einfach und eindeutig zu interpretieren wie viele glauben. Sich zu sehr darauf zu konzentrieren, lenkt Dich ohnehin nur von Deiner Hauptaufgabe ab, nämlich Inhalte zu vermitteln. Ein paar Dinge solltest Du aber beherzigen:
Lächle  - Tu es vor der Szene und auch in der Szene, wenn der Inhalt nicht dagegen spricht. Das lässt Dich nicht weniger seriös erscheinen, aber sympathischer. Und es wirkt sich auch auf Deine Sprechweise aus.
Bemüh Dich um eine offene, der Kamera zugewandte Körperhaltung – Um die Feinheiten kümmert sich der Regisseur.

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Margit und Wolfgang

 

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