Deutsche Wirtschaft auf Zuwanderer angewiesen

Deutsche Wirtschaft auf Zuwanderer angewiesen

06. Dezember 2016

MINT-Experten aus dem Ausland sehr gefragt

Das Thema Fachkräftemangel in Deutschland ist ein viel zitiertes, dessen Problematik sich gerade in Berufen des MINT-Bereichs (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) besonders deutlich zeigt. 212.000 Fachkräfte fehlen in MINT-Berufen, wie die neuesten Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln belegen, das im Auftrag der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA), des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall und der Initiative „MINT Zukunft schaffen“ halbjährlich ein MINT-Reporting zu Angebot und Nachfrage auf dem MINT-Arbeitsmarkt sowie Kennzahlen zur MINT-Bildung veröffentlicht. Laut IW wäre der Fachkräftemangel ohne die dynamisch wachsende Zahl ausländischer MINT-Experten sogar noch größer.

Um die Chancen der Digitalisierung, die auch die Versicherungswirtschaft ergreift, voll ausschöpfen zu können, sind Unternehmen in Deutschland stärker denn je auf MINT-Fachkräfte angewiesen. Umso bedenklicher ist es laut IW, dass die Fachkräftelücke so groß ist wie nie zuvor: Seit Beginn der Berechnungen im Jahr 2011 sind die Zahlen im Oktober 2016 gegenüber dem Vorjahresmonat um 9 % gestiegen. Zwei von drei fehlenden MINT-Arbeitskräften sind laut Report Facharbeiter, Meister und Techniker. Das übrige Drittel der Lücke betrifft den akademischen Bereich. Während der Anteil der MINT-Absolventen an deutschen Hochschulen in den letzten zehn Jahren von 31,3 auf 35,1 % deutlich gestiegen ist, ist der Anteil junger Menschen mit einer MINT-Berufsausbildung stark gesunken: bei den 30 - 34-Jährigen im genannten Zeitraum von 22,3 auf 18,8 %.

Die Erwerbstätigkeit von MINT-Akademikern ist dem Report zufolge seit 2011 deutlich um durchschnittlich 84.000 pro Jahr (von 2,366 Mio. auf 2,617 Mio.) gestiegen. Dagegen ist bei den beruflich qualifizierten MINT-Fachkräften ein leichter Rückgang der Zahl der Erwerbstätigen festzustellen (von 9,178 Mio. auf 9,142 Mio.).

Das Wachstum von ausländischen Arbeitnehmern im MINT-Bereich ist in den letzten Jahren überproportional hoch ausgefallen. Ohne die Zuwanderung (insbesondere aus Ost- und Südosteuropa, Spanien und Indien) würde die Lücke aktuell einen Wert von über 290.000 erreichen.

Positiv ist laut IW auch, dass sich erste Beschäftigungserfolge von Flüchtlingen, insbesondere aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und dem Irak, auf dem MINT-Arbeitsmarkt abzeichnen. Drei Viertel der Arbeitnehmer sind auf Facharbeiterniveau beschäftigt, jeder vierte im akademischen Bereich. Flüchtlinge leisten damit laut MINT-Report einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung.

157 Mrd. Euro tragen die 1,6 Millionen zugewanderten MINT-Kräfte insgesamt zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung bei, so der Report weiter. Von Ende 2012 bis Anfang 2016 ist die Zahl der beschäftigten MINT-Akademiker ausländischer Herkunft um 36 % gestiegen, die ihrer deutschen Kollegen dagegen nur um 10 %.

In den neuen Bundesländern hingegen ist der Ausländeranteil unter den MINT-Beschäftigten sehr gering. Dies ist vor allem deswegen ein gravierendes Problem, da der Anteil der MINT-Beschäftigten im Alter 55+ hier überproportional hoch ist.

Der BWV Bildungsverband leistete mit der Initiative „MINT Assekuranz“ von 2009 - 2013 einen Beitrag zur bundesweiten Initiative „MINT Zukunft schaffen“ und zur Verbesserung der Fachkräftesituation in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik in der Versicherungswirtschaft. Auch nach Auslaufen des Projekts „MINT Assekuranz“ stellt der BWV Bildungsverband Informations- und Unterrichtsmaterialen zur Verfügung und ist Förderpartner der BDA/BDI-Initiative „MINT Zukunft schaffen“.

Wenn auch Sie MINT unterstützen möchten, lassen Sie sich durch unsere Materialien inspirieren oder wenden sich bitte direkt an „MINT Zukunft schaffen“.

Ansprechpartner
Dr. Katharina Höhn