Interview mit unserem Trophäendesigner Joerg Maxzin

Interview mit unserem Trophäendesigner Joerg Maxzin

04.September2026| BWV Bildungsverband

Seit über 20 Jahren gestaltet der Bildhauer, Designer und Professor Joerg Maxzin die Trophäen unseres InnoWard Bildungspreises. Dabei verbindet er traditionelle Bildhauerei mit digitalen Technologien und parametrischem Design. Im Gespräch erzählt er, wie die charakteristische Trophäe entstanden ist, was für ihn echte Innovation ausmacht und warum neben Kunst und Lehre auch die Musik einen festen Platz in seinem Leben hat.

Sie sind Bildhauer und parametrischer Designer. Wie würden Sie Ihre Arbeit jemandem beschreiben, der mit „parametrischem Design“ bisher wenig anfangen kann?
Meine Arbeit begann ja ganz traditionell mit einer Berufsausbildung zum Holzbildhauer. Dieses Feld meines Schaffens hat mich lange begleitet und fand seinen Höhepunkt im Wiederaufbau der im Krieg zerstörten monumentalen Holzskulptur des Evangelisten Lukas in der Münchner Theatinerkirche. Das war dann allerdings in großen Teilen schon ein Forschungsprojekt, als ich bereits Professor für 3D-Animation an der Technischen Hochschule Deggendorf war. Meine Auseinandersetzung mit der digitalen Welt begann schon früh zu meiner Studienzeit an der Münchener Kunstakademie. Damals kam die digitale Fotografie auf und eröffnete mir völlig neue Möglichkeiten. Schon bald folgte der Übergang von der physischen Bildhauerei zur virtuellen Bildhauerei im 3D-Raum. Heute schöpfe ich aus all dem und nutze immer mehr die Möglichkeit, meine Formen in computergestützten Entwurfsverfahren – eben parametrisch – zu generieren. Ganz aktuell kommt die künstliche Intelligenz hinzu, die erneut meinen Werkzeugkasten erweitert.

Können Sie Ihr Wirken als Professor für 3D-Animation kurz umreißen?
Die Arbeit mit den Studierenden ist etwas ganz Besonderes und ich genieße es jeden Tag, das machen zu dürfen. Es war tatsächlich mein erklärtes Ziel, an die Hochschule zu gehen. An der Akademie hatte ich Kunsterziehung studiert und so war der Weg nicht mehr weit. Ich bekam unmittelbar nach meinem Studium den ersten Lehrauftrag an der Technischen Hochschule Augsburg. Einige Jahre später kam dann der Ruf an die Technische Hochschule Deggendorf. Dort unterrichte ich nun seit fast 20 Jahren 3D-Animation in unseren Medientechnik-Studiengängen. Das fängt mit allgemeinen Grundlagen der Animation an, die wir mit den Studierenden hauptsächlich in Stop-Motion-Trickfilm-Projekten erarbeiten. Danach erobern wir uns die Welt der 3D-Visualisierung, mit Modellierung, Texturierung, bis hin zur Animation von virtuellen Charakteren. Im Master wird es dann richtig spannend. Da geht es zum einen um additive Fertigung, also um alles, was mit 3D-Druck zu tun hat. Zum anderen geht es – und das ist ein besonderes Highlight – um Gesichtsanimation. Hier arbeiten wir mit den innovativsten Technologien, die gerade im Entstehen sind. Oft beginnen wir mit digitalen Werkzeugen, die am Ende des Semesters schon wieder überholt sind – eine echte Herausforderung.

Seit vielen Jahren gestalten Sie die Trophäen und Jurygeschenke für unseren Bildungspreis. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?
Der Kurator und Ausstellungsmacher Christian Thöner kam 2005 mit der Frage auf mich zu, ob ich mir vorstellen könnte, eine Trophäe für einen Wettbewerb zu erschaffen, bei dem es um Innovation geht: den InnoWard. Ich war sofort Feuer und Flamme. Zum einen reizt mich als Bildhauer die Formgestaltung natürlich immer, zum anderen passte das Thema perfekt zu dem, was ich damals begonnen hatte: die parametrische Formgenerierung, neue Wege zu gehen in der Bildhauerei. Nun wird der Preis schon zum 22. Mal verliehen und ich finde, die InnoWard-Trophäe hat nichts von ihrer Frische verloren.

Die Trophäe ist über die Jahre zu einem festen und wiedererkennbaren Symbol des InnoWard geworden. Was war die Idee hinter der ersten InnoWard-Trophäe und was macht für Sie eine gute Trophäe aus? 
Tatsächlich ist es keine leichte Aufgabe, eine Trophäe zu gestalten, die sich abhebt von dem, was man schon kennt, dem klassischen Pokal, dem Acrylgebilde mit eingelassenem Logo und all dem. Man muss erst einmal definieren, was es nicht sein soll. Vor allem aber stand für mich die Frage im Raum: „Wie drücke ich Innovation in einer Form aus?“ Die Inspiration fällt einen nicht einfach so an. Aber irgendwann beim Recherchieren, Sinnieren und Ausloten hatte ich plötzlich das Bild eines Wassertropfens vor Augen, der auf eine noch unberührte Wasseroberfläche fällt, Wellen schlägt und Kreise zieht, immer weiter, und so seine Wirkung entfaltet. Das war mein Bild für Innovation. Am Ende vereint die Trophäe drei solcher Tropfenmuster, die sich in Interferenzen überlagern. Ich finde, das ist ein schönes Bild für das Zusammenspiel von Ideen, wie sie in einem Team entstehen. Und genau das zeichnet doch die Konzepte aus, die mit dem InnoWard prämiert werden.

Bei einer Trophäe geht es nicht nur um die Form, sondern auch um Material, Verarbeitung und Haptik. Worauf legen Sie bei der Umsetzung besonderen Wert?
Der größte Teil der Arbeit floss in den ursprünglichen Datensatz, den ich in der 3D-Modellierung parametrisch generiert habe. Dieser Code steuert seither die CNC-Fräse, die die Form der Trophäe aus einem massiven Aluminiumblock herausfräst. Man könnte vielleicht denken, Aluminium sei leicht. Aber der 17 mal 17 Zentimeter messende und drei Zentimeter tiefe Block wiegt fast drei Kilogramm. Die wirklich zeitintensive Arbeit in der Fertigung beginnt immer erst nach dem Fräsen. Jede Trophäe wird einzeln von Hand so lange geschliffen und poliert, bis eine gleichmäßige ebene Oberfläche entsteht. Besonders bei den Interferenzmustern der Tropfen benötigt man dafür Ausdauer und Geduld. Erst dann können die Trophäen eloxiert werden, üblicherweise in silber, aber wir hatten auch schon mehrfach grüne Exemplare für den Sonderpreis. Sobald die Nominierungen bekannt sind, werden die Namen der Auszuzeichnenden mit Laser auf die Rückseite graviert. Ganz am Schluss signiere ich alle Trophäen von Hand mit einer Editionsnummer. Auch wenn sie technisch aussehen, steckt in den Trophäen viel Handarbeit. Jede einzelne ist am Ende ein Unikat.

Für die ehrenamtlichen Jurymitglieder wählen Sie jedes Jahr Arbeiten aus Ihrem künstlerischen Schaffen aus. Wie entscheiden Sie, welches Werk sich dafür eignet?
Das allererste Motiv, das ich als Edition für die Jurymitglieder aufgelegt habe, war die Entwurfsskizze zum InnoWard. Es war eine sehr schlichte Bleistiftzeichnung, aber vielleicht die kostbarste aller Editionen. Wenn ich zurückblicke, welche Motive es in die Grafikmappen geschafft haben, ergibt sich eine spannende Reise durch mein künstlerisches Schaffen von über 20 Jahren. Lange Jahre fanden sich hier Fotografien inszenierter Welten, von Figurinen aus Plastilin, auf Modellbühnen choreografiert, aufgelöst in Unschärfe. In jüngerer Zeit tauchen dann vermehrt Grafiken auf, die aus 3D-Prozessen hervorgegangen sind. Manche der Motive finden sich auf meiner Website joerg-maxzin.de wieder. In den meisten Fällen habe ich die Motive speziell für die Editionen der Jurygeschenke gestaltet.

Was macht für Sie eine Idee wirklich innovativ und nicht nur neu?
Eine Idee kann neu sein und trotzdem folgenlos bleiben. Innovativ wird sie für mich erst durch ihre Wirkung, durch das, was sie verändert. Manche Ideen wirken im ersten Moment aufregend und verlieren dann schnell an Kraft. Andere zeigen ihre eigentliche Stärke erst später, wenn sie sich im Alltag bewähren oder etwas dauerhaft in Bewegung bringen. Genau darum geht es ja auch beim InnoWard. Nicht die originellste Idee gewinnt, sondern die, die sich in der Praxis bewährt hat und andere inspiriert.

Was sollen Ihrem Wunsch nach die Menschen mit Ihrer Trophäe verbinden?
Ich hatte ja schon das Privileg, selbst bei Preisverleihungen dabei zu sein, und da habe ich das Strahlen der Teams gesehen, die eine Trophäe ihr Eigen nennen durften. Oft sind ja ganz junge Teilnehmer darunter, die lange an Konzepten und Ideen getüftelt haben. So ging es mir auch, als ich um die Form des InnoWard gerungen habe. Diese Energie ist es, die von der Trophäe ausgehen soll: Authentizität, Mut und Kreativität.

Künstler und Professor ist noch nicht genug: Sie sind auch Musiker und treten regelmäßig auf. Können Sie uns verraten, wie es dazu kam und was Sie antreibt?
Die Musik ist tatsächlich eine große Leidenschaft von mir. In jungen Jahren wollte ich sogar Musiker werden, aber dann habe ich mich doch entschieden, etwas Solides zu machen, und bin Künstler geworden, wenn ich das mit einem Augenzwinkern sagen darf. In jedem Fall hatte ich das Glück, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Für die Musik war lange wenig Zeit, aber dann kam sie als ambitioniertes Hobby doch wieder zurück in mein Leben. Vor rund zehn Jahren habe ich mich mit der Augsburger Sängerin Andrea Rother zum Duo „Two Sharp“ zusammengefunden und unterstütze ihre grandiose Stimme seither an der Gitarre, mal akustisch, mal elektrisch. Unser Repertoire reicht von entspannten Jazz-Vibes über Pop-Hits bis zu zeitlosen Lounge-Klassikern. Gibt man „Two Sharp Augsburg“ ein, findet man Videos und Klangproben auf den einschlägigen Social-Media-Plattformen. Und wer weiß, vielleicht spielen wir ja schon bald mal für den BWV.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Maxzin, und für die spannenden Einblicke in Ihr künstlerisches Schaffen. 
Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit und sind gespannt, welche Ideen, Werke und Trophäen in Zukunft noch aus Ihrem vielseitigen Schaffen entstehen.

Porträt einer Frau mit langen, lockigen Haaren, die in einem dunklen Blazer gekleidet ist. Sie schaut direkt in die Kamera und hat einen neutralen Gesichtsausdruck. Der Hintergrund ist einfarbig und unscharf.

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